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Hohenberg

Neue Sonderausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens: Gestaltung jenseits des Tellers“ (16. Mai 2026 – 10. Januar 2027), Porzellanikon Hohenberg an der Eger


Das Porzellanikon – Europas größtes Museum für Porzellan zeigt nicht nur historische Objekte, sondern beschäftigt sich ebenso mit zeitgenössischem Porzellan, wagt bewusst den Blick in die Zukunft und spürt aktuelle wie kommende Trends auf. Damit versteht sich das Museum nicht nur als Ort der Bewahrung, sondern als Plattform für Diskussion, Experiment und Vision.
Wie zeitgemäß und experimentell der Werkstoff heute interpretiert werden kann, zeigen Prof.in Lisa Freyschmidt (Professur Keramik-, Porzellan- und Glasdesign) und ihre Studierenden der Hochschule Niederrhein. Mit kritischem Blick auf traditionelle Gestaltungsformen entwickeln sie unkonventionelle Entwürfe und setzen dabei auch innovative Herstellungsverfahren wie den 3D-Druck ein. Die Ausstellung präsentiert über 150 Objekte aus fünf aktuellen Designprojekten und macht deutlich, wie wandelbar, spannend und verbindend Porzellan sein kann. Alle Arbeiten sind in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachrichtungen entstanden, darunter im Austausch mit dem Studiengang Kommunikationsdesign, dem Fachbereich Textile- und Beklei-dungstechnik sowie der Hochschule Düsseldorf und externen Partnern aus der Pra-xis, wie beispielsweise aus der Gastronomie. Ergänzt wird die Schau durch das Projekt „Mustertante“ von Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Berufsfachschule und Fachschule für Produktdesign Selb, das traditionelle Dekore zeitgemäß interpretiert und neue Impulse für Tisch- und Esskultur setzt.

Über die Ausstellung
Die Ausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens: Gestaltung jenseits des Tellers“ beschäftigt sich bis zum 10. Januar 2027 mit aktuellen Fragestellungen rund um Tischkultur, Essen und Genuss, die durch den gesellschaftlichen Wandel beeinflusst werden.
Der Esstisch ist seit jeher ein zentraler Ort des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Hier kommen Menschen zusammen, teilen Mahlzeiten, tauschen sich aus und erleben Gemeinschaft. Gleichzeitig unterliegt die Tisch- und Esskultur einem stetigen Wandel: Veränderte Lebensgewohnheiten und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen zunehmend, wie und mit wem wir essen, feiern und gastgeben. Als wichtiger Bestandteil dieser Kulturgeschichte begleitet Porzellan diesen Wandel seit Jahrhunderten. Es prägt Tischsituationen ebenso wie Alltagsrituale und spiegelt unterschiedliche Vorstellungen von Ästhetik, Funktion und Gemeinschaft wider.

Die Zusammarbeit mit der Hochschule Niederrhein knüpft an langjährige Kooperationsprojekte des Museums mit Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen im Bereich Keramik-, Porzellan- und Produktdesign an. Dazu zählen die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, die Kunsthochschule Weißensee Berlin sowie die Staatliche Berufsfachschule und Fachschule für Produktdesign Selb. Dabei richtet das Museum den Blick auf zeitgenössische Positionen und zukünftige Entwicklungen im Design.

Präsentiert werden fünf Projekte von 71 Studierenden und fünf Schülerinnen, die dazu einladen, eine neue Art der Tisch- und Esskultur zu entdecken. Besucherinnen und Besucher erleben, wie die Präsentation von Speisen unseren Geschmack beeinflussen kann, wie Farben und Dekore unsere Sinne schärfen, wie Gestaltung unsere Kommunikation anregt und Gespräche entstehen lässt. Die Inszenierungen von Speisen sollen nicht nur den Hunger stillen, sondern ein multisensorisches Erlebnis bieten. Die Ausstellung widmet sich darüber hinaus dem Potenzial von Gefäßen, Besteck, Tischwäsche und Accessoires im Kontext zeitgenössischer Tisch- und Esskultur. Gezeigt werden aktuelle Entwicklungen und gestalterische Ansätze, die neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen und das Zusammenspiel von Form und Funktion in den Mittelpunkt rücken. Dabei greift die Ausstellung zentrale Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens auf: Welche Bedeutung hat Gastfreundschaft heute? Wie werden wir künftig essen und Gemeinschaft gestalten? Und welche Werte verbinden wir mit dem gemeinsamen Mahl? Die präsentierten Arbeiten beschäftigen sich mit neuen Formen des Speisens und Zusammenseins ebenso wie mit der Weiterentwicklung traditioneller Gestaltungsansätze. Essen wird dabei als kulturelles, inklusives und gemeinschaftliches Erlebnis verstanden, das Gestaltung weit über den Teller hinaus sichtbar macht.


Tabletop & Textile I
Das Projekt „Tabletop & Textile I“ untersucht, wie gesellschaftliche Veränderungen – etwa die Zunahme von Singlehaushalten, neue Familienmodelle oder Fragen von Inklusion und Geschlechterneutralität – das gemeinsame Essen und die Gestaltung des gedeckten Tisches beeinflussen. In interdisziplinärer Zusammenarbeit der Studiengänge Produkt- und Objektdesign, Design-Ingenieur Textil sowie Kommunikationsdesign entstanden Konzepte und Objekte für unterschiedliche Lebenssituationen. Dazu zählen Lösungen für Einzelpersonen, familienorientierte Geschirr- und Textilkonzepte oder Gestaltungsideen für blinde und sehbehinderte Menschen, bei denen haptische und farbliche Orientierungshilfen integriert wurden. Zugleich greifen die Arbeiten traditionelle Dekore wie das Zwiebelmuster oder Delfter Fliesendekore auf und interpretieren sie mit digitalen Entwurfs- und Fertigungsmethoden neu.

Tabletop & Textile II – Picknick
Mit „Tabletop & Textile II – Picknick“ rückt das gemeinschaftliche Essen im Freien in den Fokus. Entwickelt wurden Konzepte für Picknick, Gartenparty oder Balkongrillen, die Porzellan, Textilien und Accessoires als zusammenhängendes Gestaltungssystem verstehen. Neben ästhetischen Fragestellungen standen dabei auch Aspekte der Materialkombination, Marktfähigkeit und Produzierbarkeit im Mittelpunkt.

Radiant Serving
„Radiant Serving“ untersucht, wie das Design von Gefäßen, Besteck und Servierpraktiken unser Geschmackserlebnis beeinflusst. 16 Studierende verstehen Essen als Inszenierung und entwickeln experimentelle Objekte, die neue Formen der Interaktion zwischen Speisen, Gästen und Umgebung ermöglichen. Entstanden sind Gefäße und Utensilien, die den Ablauf des Essens choreografieren, klassische Funktionen von Geschirr hinterfragen und sensorische Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen. In materialbasierten Experimenten und im Austausch mit Gourmetkoch Christian Krüger verbinden die Arbeiten funktionale und gestalterische Fragestellungen. „Radiant Serving“ erforscht die Zusammenhänge von Form, Ästhetik und Sinnlichkeit beim Präsentieren, Servieren und Speisen.

Future Brotzeit
Einen spekulativen Blick in mögliche Ernährungsformen der Zukunft wirft das Projekt „Future Brotzeit“, das gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf entstand. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Essen und Esskultur in einer Zukunft aussehen könnten, in der traditionelle Gewohnheiten nicht mehr selbstverständlich sind. Die gezeigten Entwürfe bewegen sich zwischen utopischen und dystopischen Szenarien und thematisieren unter anderem alternative Nahrungsmittel wie Algen, Insekten oder fermentierte Speisen. Gleichzeitig reflektieren die Arbeiten den Wunsch nach Gemeinschaft und einer Rückbesinnung auf gemeinsames Essen an einer gedeckten Tafel.

Faktorei21
Auch das Projekt „Faktorei21“, erneut in Zusammenarbeit mit Christian Krüger, widmet sich dem sozialen Charakter des Essens und damit der Frage, warum Menschen im Restaurant ihre Speisen nur selten teilen? Während gemeinsames Essen und Teilen in vielen Kulturen selbstverständlich sind, steht in der europäischen Esskultur häufig der individuelle Teller im Mittelpunkt. Das Projekt untersucht, wie gemeinsames Speisen Kommunikation, Nähe und Gemeinschaft fördern kann. Gemeinsam mit dem Koch Christian Krüger entwickelten sieben Studierende Konzepte für sein Gourmetrestaurant Faktorei21. Im Fokus standen die gestalterischen Anforderungen an Gefäße, Utensilien und Serviceabläufe, wenn das Teilen von Speisen zum zentralen Prinzip wird. Entstanden sind Porzellan- und Glasobjekte, die funktionale Anforderungen der Küche mit neuen Formen des gemeinsamen Essens verbinden. Darüber hinaus untersuchten die Studierenden Tischeindeckung, Menüdramaturgie sowie die Interaktion zwischen Gästen und Servicepersonal. Neue Rituale des Empfangs und der Verabschiedung, gemeinsames Teilen von Gerichten und Momente des bewussten Schweigens beim Essen schaffen besondere Formen der Begegnung und eröffnen neue Perspektiven auf Gastlichkeit und Gemeinschaft.

Die jungen Designerinnen und Designer nahmen sich auch der Gestaltung der Ausstellung an. Unter der Anleitung von Prof.in Lisa Freyschmidt und Kerstin Froch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule entwarfen sechs Studierende für die Präsentation ihrer Arbeiten im Porzellanikon Hohenberg a.d. Eger ein ganzheitliches Ausstellungskonzept. Ziel war es, auf einer Ausstellungsfläche von 300 Quadratmetern die vielfältigen Projekte verständlich, zugänglich und im Einklang mit musealen Anforderungen wie Beleuchtung und Besucherführung zu präsentieren. Die Ausstellung verbindet Inszenierung und Prozessdarstellung: Großformatige Fotografien, Modelle, Skizzen, Moodboards und Materialstudien geben Einblicke in Werkstätten, Campusleben und die Entstehung der Entwürfe. Ergänzt durch Audioformate und Filme werden die gestalterischen Ansätze der Studierenden anschaulich vermittelt. Offene und helle Ausstellungsmöbel aus Holz schaffen Durchblicke, Transparenz und neue Blickachsen. So macht die Präsentation Design und Designlehre als kreativen Prozess erfahrbar und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf die Esskultur. Die Studierenden haben auch das in kräftigen und frischen Farben erscheinende Key Visual zur Ausstellung beigesteuert und die Sonderschau als ein ganzheitliches Projekt absolviert.

„Mustertanten – Retrodesign“, ein Projekt der Fachschule für Produktde-sign Selb
Die Ausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens: Gestaltung jenseits des Tellers“ wird ergänzt um Arbeiten der Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs 2D der Fachschule für Produktdesign Selb. Es handelt sich um Entwürfe für kreative Küchenwelten, die unter dem Namen „Mustertanten – Retrodesign“ zu sehen sind und von der faszinierenden Ästhetik vergangener Zeiten inspiriert sind. Als Vorlage dienten Großmutters Alltagsgegenstände und klassische Küchenutensilien, aus denen innovative Muster- und Designkonzepte, die Nostalgie und zeitgenössische Gestaltung auf besondere Weise miteinander verbinden, entstanden sind. Im Mittelpunkt des Projekts steht die kreative Auseinandersetzung mit Strukturen, Farben, Formen und Texturen. Durch deren Kombination entwickelten die Studierenden einzigartige Stoffe und Materialien, die nicht nur funktional sind, sondern auch Emotionen wecken und Freude am Kochen, Backen und stilvoll gedeckten Tisch vermitteln. Die Verbindung traditioneller Muster mit modernen Materialien führte zu originellen und humorvollen Küchengerätschaften, die gleichermaßen durch ihre Funktionalität wie durch ihr außergewöhnliches Design überzeugen. So entstanden kreative Objekte, die den Charme vergangener Zeiten neu interpretieren und in die Gegenwart übertragen. Mit „Mustertanten – Retrodesign“ zeigen die Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs 2D eindrucksvoll, wie aus Erinnerungen und Tradition innovative Gestaltungsideen entstehen können.

Die Ausstellung lädt dazu ein, vertraute Essgewohnheiten neu zu betrachten und einen Blick auf die Tischkultur von morgen zu werfen.

Für inhaltliche Fragen zur Sonderausstellung kontaktieren Sie bitte die Hauptkuratorin Dr. Jana Göbel:
Dr. Jana Göbel
Hauptkuratorin
Leiterin des Referats EU-Projekte, Digitalisierung
Sammlung des 21. Jahrhunderts
Tel.: 09287 91800-411
jana.goebel@porzellanikon.org

Ausstellungsort:
Porzellanikon Hohenberg a.d. Eger
Schirndinger Straße 48
95691 Hohenberg a.d. Eger
Tel.: 09233-77220
hohenberg@porzellanikon.org

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag und feiertags 10:00 – 17:00 Uhr
Montags geschlossen

Eintrittspreise:
3,00 Euro / 2,00 Euro ermäßigt
Eintritt sonntags 1,00 €
Kinder bis 18 Jahre kostenloser Eintritt