Neue Sonderausstellung im Porzellanikon Selb „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ 9. Mai bis 15. November 2026
Anlässlich des 600. Jubiläums der Stadt Selb würdigt das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan, Selb eine prägende und faszinierende Persönlichkeit der Selber Kultur- und Porzellangeschichte, deren Wirken die Stadt nachhaltig beeinflusst hat. Der Architekt, Grafiker und Kunstgewerbler Fritz Klee (1876-1976) kam im Jahr 1908 ursprünglich eher widerwillig von München in den damaligen „Provinzort“ Selb. Dennoch blieb er drei Jahrzehnte lang als Direktor der neu gegründeten Fachschule für Porzellanindustrie und entwickelte sich in dieser Zeit zu einer zentralen Figur des kulturellen Lebens der Stadt. Die Ausstellung „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ gibt Einblick in das ungewöhnliche Leben und kreative Schaffen von Prof. Fritz Klee, der vor 150 Jahren geboren und vor 50 Jahren gestorben ist.
Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise in das Selb um 1900 – geprägt von rauchenden Fabrikschloten und industrieller Produktion – und zeigt zugleich den Wandel hin zu einem lebendigen kulturellen Zentrum. Anhand von Klees Lebensgeschichte werden die Entwicklung der Porzellanindustrie als auch das gesellschaftliche Leben in Selb anschaulich vermittelt. Rund 150 Exponate aus den Sammlungen des Porzellanikon sowie aus privaten und weiteren musealen Beständen geben einen umfassenden Einblick in das vielseitige Schaffen Klees.
Das städtebauliche Erbe
Klees architektonische Handschrift prägt das Stadtbild der Porzellanstadt Selb bis heute. In seinem Schaffen verband Fritz Klee funktionale Klarheit mit einem feinen Gespür für regionale Identität und entwickelte so Bauwerke wie die Fachschule für Porzellanindustrie, das Selber Bahnhofsgebäude oder das Vereinsheim-Casino, die weit über ihre Zeit hinaus Bedeutung behalten haben.
Aufbau und Leitung der neuen Porzellanfachschule in Selb
Der Weg zur Gründung der dringend benötigten Fachschule für Porzellanindustrie war steinig. Erst nach mehreren Jahren wurde sie von der Staatsregierung genehmigt. Fritz Klee, als Architekt im Stadtbauamt München beschäftigt, galt als ideale Besetzung, um sie aufzubauen und zu leiten. Er wollte jedoch sein vielfältiges Wirkungsfeld in der Künstlerstadt München nicht gegen eine ungewisse Aufgabe in der Provinz eintauschen. Viele Gespräche und Versprechen sowie die Aussicht, nach drei Jahren nach München zurückzukehren und die langen Schulferien bringen Klee dazu, die Aufgabe zu übernehmen. 1913 entwarf er die Fachschule, deren Bau - verzögert durch den Ersten Weltkrieg - erst 1921 abgeschlossen wurde und die er bis 1938 leitete. Die von ihm entworfene Fachschule steht exemplarisch für eine Architektur, die Offenheit und Zweckmäßigkeit vereint. Klare Linien, durchdachte Raumführung und die Einbindung in die Umgebung schaffen bis heute eine Lernumgebung, die sowohl den praktischen Anforderungen als auch ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Fritz Klee entwickelte die Fachschule Selb zu einer modernen Ausbildungsstätte, indem er Gestaltung, technische Ausbildung und industrielle Praxis systematisch miteinander verband. Er entwarf nicht nur den Schulneubau, sondern prägte als Direktor die Lehrinhalte und das Ausbildungskonzept und etablierte eine enge Zusammenarbeit mit der Porzellanindustrie, deren Bedarf die Ausbildung konsequent berücksichtigte.
Repräsentatives Bahnhofsgebäude in Selb
1914 wurde die Lokalbahn von Selb nach Holenbrunn eröffnet, die eine Anbindung an die Hauptstrecke Richtung Regensburg erlaubte. Zuvor musste das Bahnhofsareal in Selb verlegt werden, das in Folge zu einem zentralen Punkt für den Personen- und Güterverkehr wurde. Fritz Klee entwarf ein repräsentatives Empfangsgebäude im reformklassizistischen Stil. Die ionischen Kolossalsäulen aus Sandstein passten zum Fassadenputz und verliehen dem schlichten, zweigeschossigen und offen wirkenden Gebäude einen würdevollen Charakter. Der Treppenaufgang führte in einen großzügigen Schaltervorraum mit Gepäckschalter mit Aufbewahrungsraum. Die Warteräume waren hell und geräumig. Klee entwarf den Bahnhof nicht nur als funktionalen Verkehrsbau, sondern verlieh ihm mit klaren Linien, ausgewogenen Proportionen und gezielten dekorativen Elementen eine eigenständige architektonische Handschrift, die dem Bedürfnis nach Ordnung in der damals schnell wachsenden Porzellanstadt Selb entsprach. Bemerkenswert ist dabei, dass sich in diesem Bau exemplarisch zeigte, was Klee insgesamt auszeichnete: die Verbindung von Zweckmäßigkeit und ästhetischem Anspruch sowie sein Gespür für die Einbindung in das lokale Umfeld von Selb. Der Bahnhof wird damit zu einem frühen und gut sichtbaren Beispiel seines Wirkens vor Ort – und zu einem Gebäude, das seine „widerwillig“ begonnene, später aber prägende Tätigkeit in Selb symbolisiert.
Von den Fabriken voller Ruß und Staub bis zum Kultur-Hotspot der Selber High Society
1911 gründeten zwanzig Bürger der Selber High Society einen Verein zur Förderung kultureller und gesellschaftlicher Aktivitäten. Die Vereinsmitglieder beauftragten Fritz Klee mit der Planung und Gestaltung des Clubhauses – des Casinos, das auf einem Grundstück entstand, das Philipp Rosenthal erwarb. Mit dem Vereinscasino schuf Klee einen Ort des gesellschaftlichen Lebens. Das Gebäude steht für Begegnung, Austausch und kulturelle Aktivitäten und spiegelt die Bedeutung des gemeinschaftlichen Miteinanders in Selb wider. Seine architektonische Sprache unterstreicht diese Funktion durch Offenheit und eine klare, zugängliche Gestaltung. Klee wirkte nicht nur architektonisch, sondern auch im Detail der Innenräume und Ausstattung, wodurch das Casino zu einem wichtigen Beispiel seines ganzheitlichen Gestaltungsanspruchs wurde.
Würdigung eines Ausnahmekünstlers
Die nachhaltige Wertschätzung für sein Wirken zeigt sich nicht zuletzt in der Benennung der Fritz-Klee-Straße in Selb, die 1984 nach seinem Tod erfolgte. Fritz Klee steht damit sinnbildlich für eine Generation von Architekten, die den Wiederaufbau und die Weiterentwicklung ihrer Städte mit Weitblick und Verantwortung vorantrieben. Die Straßenbenennung sollte dieses außergewöhnliche Engagement sichtbar im Stadtraum verankern und sein Andenken dauerhaft bewahren. Mit seinen Bauten und Ideen hat Fritz Klee ein bleibendes Fundament geschaffen, das die Stadt Selb bis heute begleitet und inspiriert.
Fritz Klee und Porzellan
Auch in der Porzellanwelt bewegte sich der Grafiker und Kunstgewerbler Klee und prägte die Porzellanindustrie durch seine Entwürfe. Bereits 1916 erwarb die Porzellanfabrik Paul Müller in Selb figürliche Entwürfe und Zierartikel von Klee aus der Fachschule. Diese Modelle bildeten den Grundstock der Hutschenreuther Kunstabteilung, nachdem 1918 Hutschenreuther die Fabrik Paul Müller übernommen hatte. Die künstlerische Leitung der Kunstabteilung bei Hutschenreuther hatte Klee von 1918 bis 1922 inne. In der Sonderausstellung „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ präsentiert das Porzellanikon etwa 150 Exponate aus eigenen Beständen, aus privaten und musealen Sammlungen. Bedeutende Leihgaben stammen aus dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums sowie aus dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum für Produktdesign und Prüftechnik in Selb.
Museumsgäste dürfen sich auf einzigartige, noch nie gezeigte Skizzen und kolorierte Originalentwürfe aus der Hand von Klee freuen sowie auf außergewöhnliche Porzellane mit faszinierenden, handgemalten Ornamenten, farbenprächtige exotische Vögel oder groteske Masken, die in der Fachschule und den Fabriken in Selb entstanden sind. Ei-nige davon, wie beispielsweise ein Teeservice mit farbigen Ornamenten oder ein Pokal in Weiß/Gold, wurden auf Ausstellungen wie der Gewerbeausstellung 1912 in München präsentiert. Zu den Highlights der Ausstellung zählen unter anderem frühe Porzellanentwürfe von Klee aus der Zeit um 1909/10 wie die erste Vase, die in der Fachschule entstand oder eine Vase mit unterglasurblauem Fischdekor sowie äußerst seltene Wandmasken, Marionetten und Handpuppenköpfe, die Klee Anfang der 1950er Jahre dem Münchner Stadtmuseum geschenkt hat und die noch nie öffentlich gezeigt wurden.
Klees Porzellanentwürfe sind oft schlicht in ihrer Formgebung, aber künstlerisch auf höchstem Niveau der damaligen Zeit. Die Formen werden mit geometrischen Ornamenten in Gold und Schwarz sowie wenigen, kräftigen Farben wie Gelb, Lila oder Grün verziert. Bei einem Teeservice, das er 1912 in der Fachschule entworfen und das um 1919 in das Sortiment der Lorenz Hutschenreuther AG übernommen wurde, wurde Grün zum Gold und Schwarz kombiniert. Das Weiß des Porzellans bleibt als Ausdrucksträger erhalten. Bereits auf der Gewerbeausstellung in München im Jahr 1912 wurde dieses Teeservice präsentiert und stieß sowohl beim Publikum als auch in der Presse auf große Resonanz.
Mit seinem unverwechselbaren Gespür für Form, Material und Raum hat Fritz Klee so-wohl die Architektur in der Stadt Selb, deren Erscheinungsbild er mit seinen Gebäuden maßgeblich prägte – als auch die Porzellankunst und Porzellanindustrie nachhaltig bereichert und ein Werk hinterlassen, das weit über seine Zeit hinaus Strahlkraft entfaltet.
Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, Bekanntes sowie bislang Unbekanntes aus dem Leben und Werk des außergewöhnlichen Gestalters Fritz Klee und der Selber Porzellangeschichte zu entdecken.
Begleitprogramme zur Sonderausstellung:
So., 10.05., 07.06., 02.08., 11.10.
Führung mit Hauptkuratorin P. Werner durch die Sonderausstellung
„Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“
SELB | 14:30 Uhr (Dauer 1,5 Stunden) | Preis: 5,00 €
Erwachsene zahlen zusätzlich 1,00 € Sonntagseintritt | ohne Anmeldung
So., 05.07. Führung mit Hauptkuratorin Dr. J. Göbel durch die Sonderausstellung
„Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“
SELB | 14:30 Uhr (Dauer 1,5 Stunden) | Preis: 5,00 €
Erwachsene zahlen zusätzlich 1,00 € Sonntagseintritt | ohne Anmeldung
So., 13.09.
Ein Spaziergang durch Selb auf den Spuren von Fritz Klee
im Rahmen der Sonderausstellung
„Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“
SELB | 14:00 Uhr (Dauer ca. 3 Stunden)
So., 15.11.
Finissage der Sonderausstellung
„Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“
SELB | 14:00 Uhr (Dauer 3 Stunden)
Erwachsene zahlen 1,00 € Sonntagseintritt | ohne Anmeldung
Für inhaltliche Fragen zur Sonderausstellung
kontaktieren Sie bitte die Hauptkuratorin Petra Werner:
Petra Werner M. A.
Hauptkuratorin
Leiterin des Referats Kunst- und Kulturgeschichte des Porzellans
Werner-Schürer-Platz 1
95100 Selb
Tel.: 09287 91800-211
petra.werner@porzellanikon.org
Ausstellungsort:
Porzellanikon Selb
Werner-Schürer-Platz 1
95100 Selb
Tel.: 09287-918000
selb@porzellanikon.org
Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag und feiertags 10:00 – 17:00 Uhr
Montags geschlossen
Eintrittspreise
5,00 € / 4,00 € ermäßigt
Eintritt sonntags 1,00 €
Kinder bis 18 Jahre kostenloser Eintritt
- Dateien:
20260506_PM_Fritz_Klee.pdf296 K





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