Kategorie: Ausstellungen, Pressemeldungen
Sonderausstellung "Faszination Detail - Porzellan mit der Lupe betrachtet" vom 22.07.2011-11.03.2012
Kühl blickt der schmuck gekleidete junge Jäger in die Ferne. Sein roter Mund lächelt ein wenig aus dem porzellanweißen Gesicht, das von gleichem Weiß ist wie seine elegant-ländliche, blütenreine Jagdjoppe. Auch die Gans ist weiß. Aber sie hat die gebrochenen Augen nach oben verdreht, halb geschlossen vom Lid, der korallenrote Schnabel steht ein wenig offen. Schaut man den selbstbewussten Schützen von vorne an, ist das tote Tier auch gar nicht zu sehen, das schlaff an einem Haken der Jagdtasche des Jägers hängt. Jagd ist hier kein blutiges Geschäft, vielmehr das gesellschaftliche Vergnügen einer standesbewussten Oberschicht. Jedes Detail dieser kleinen Porzellanszene der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur, zu der auch ein gepflegter Hund gehört, spricht davon.
„Faszination Detail“ heißt denn auch die aktuelle Ausstellung im Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger, die am 21. Juli eröffnet wird und „Porzellan mit der Lupe betrachtet“ im Untertitel. Sechsunddreißig Porzellanobjekte werden hier gezeigt, alle stammen sie aus der Sammlung oder dem Dauerleihgabenbestand des Porzellanikons und alle sind sie aus dem 19. oder 20. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den kleinformatigen Stücken stehen ebenso viele großformatige Leuchtkästen (250cm hoch x 110cm breit), auf denen jeweils ein Detail jedes Stückes enorm vergrößert präsentiert wird.
Natürlich kann man sich hier schwelgerisch in den handwerklichen Einzelheiten der figürlichen Ausarbeitung oder den virtuosen Finessen der Porzellanmalereien verlieren. Die Achtung vor der Kunstfertigkeit der Maler und Porzellanbildhauer, die durch Talent und Übung zu derart feinen und feinsten Nuancen und Ausarbeitungen fähig waren, wächst von Exponat zu Exponat. Etwa angesichts der in filigrane (Porzellan-)Spitze gewandeten Darstellung der Kaiserin Sissi (Sitzendorfer Porzellanmanufaktur). Oder des Loch für Loch geschnittenen Durchbruchmusters bei einem Porzellankorb von Schumann Arzberg. Die Vergrößerung lässt hier anhand der feinen Unregelmäßigkeiten erkennen, dass keine Maschine, sondern die menschliche Hand am Werk war.
Doch der Museumsdirektor, Wilhelm Siemen, will mit dieser Ausstellung mehr, als nur ein hohes Lied auf die Fingerfertigkeit exzellenter Kunsthandwerker singen. Das Anliegen des engagierten Porzellanspezialisten ist es vielmehr, die Vielschichtigkeit und die oftmals übersehenen Bedeutungsebenen von Darstellungen in Porzellan sichtbar und damit bewusst zu machen. Gerade im Detail, in dem man die Porzellane genau, aus anderem Blickwinkel und mit besonderer Aufmerksamkeit studiert, werden nämlich auch die Bezüge zu gesellschaftlichen oder mythologischen Zusammenhängen sichtbar. Doch die kostbar ausgeführten Porzellane, die oftmals viel beachteter Mittelpunkt vornehmer Tafeln waren oder zur illustren Ausstattung reicher, gar adliger Häuser gehörten, wussten dies immer wieder voller Diskretion anzudeuten, nur dem Auge des Kundigen und Connaisseurs lesbar.
Das Porzellanikon gewährt jetzt mit dieser ungewöhnlichen Ausstellung, mit der Auswahl ausgesuchter Stücke und deren exzellenter Detailaufnahmen atemberaubende Einblicke, ohne den Dingen ihre Geheimnisse zu entreißen. Eine begeisternde Schau.
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