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02.12.2011 09:02 Alter: 167 Tage
Kategorie: Ausstellungen, Pressemeldungen

Neue Dauerausstellung "Weiße Oase" im Porzellanikon Selb


Sieben Jahrzehnte Berufserfahrung – das klingt nach Routine und danach, dass einen wohl nichts mehr überraschen kann, klingt nach Gesetztheit und danach, dass ein derart Erfahrener alles im berühmten Schlaf beherrscht. Bei Helmut Drexler jedoch ist alles anders. Ihn führt sein enormes Wissen zu immer neuem Experiment und immer neuem Aufbruch ins noch Unerforschte. In der Region Selb und darüber hinaus ist der gelernte Porzellanmaler längst als eigenwilliger, nimmermüder Künstler bekannt, der in einer lebenslangen, immer noch und immer wieder begeisterten, glühenden Liaison mit dem Weißen Gold lebt und diesem immer wieder neuen Ausdruck und neue Gestalt abringt.
Nun lädt das Porzellanikon Selb ein zu einer neuen Ausstellung mit gut achtzig Objekten des mittlerweile 84jährigen Drexler: „Weiße Oase“ ist diese Ausstellung betitelt, die am 19.10.2011 eröffnet wird. Drexler setzt diese schon im Titel bewusst in den größtmöglichen Kontrast zu seiner mystisch-dunklen „Schatzkammer“, einem schwarzen Raum ohne Tageslichteinfluss, mit dem sich das Porzellanikon schon 2007 dem Lebenswerk des emsigen Künstlers in einer Dauerausstellung in Europas größtem Porzellanmuseum widmete (und die dort weiterhin zu sehen ist). Die „Weiße Oase“ hingegen strahlt Licht und Ruhe aus. Die Prächtigkeit der häufig mit Gold- und Lüsterglasuren dekorierten Gefäße und Porzellanbilder wirkt hier strahlend und klar in dem üppig mit Tageslicht und zusätzlichen Scheinwerfern versehenen Raum. Auch die vom Innenarchitektur-Büro „Die Werft“ entwickelte Rezeption ist eine ganz andere: Der neu renovierte weiße Saal im Haus 5 des weitläufigen Museums wird dominiert von zwei Decken hohen, je 4,50 m langen Glasvitrinen, zwischen denen sich eine fast ebenso lange Sitzbank befindet. Von ihr aus lassen sich in Ruhe die Exponate „Fantasie in Weiß“ und „Die Dornenkrone“ betrachten, die aus über 200 handgeformten Einzelteilen bestehen. Die ältesten Arbeiten stammen von 1961, die überwiegende Zahl jedoch ist in den Jahren zwischen 1990 und 2011 entstanden.
Sechs von seinen sieben Jahrzehnten Berufserfahrung also sind hier versammelt – und das bedeutet im Falle Helmut Drexlers an jedem Atelier-Arbeitstag einen neuen Aufbruch aus der Gewissheit heraus, hinein ins Feld des Experimentes. Und selbst für Kenner seines Oeuvre und seiner nie erlahmenden Entdeckerfreude dürfte die „Weiße Oase“ eine wirkliche Überraschung sein. Bislang malte und dekorierte Helmut Drexler stets auf existierenden Rosenthal-Formen. Doch in der „Weißen Oase“ finden sich Arbeiten, mit denen sich der Altmeister auf das Terrain der formalen Neugestaltung begibt.
        Drexler schafft also neue Porzellanobjekte, die er selbst mit der Hand aufbaut, ohne Gipsformen zu Hilfe zu nehmen. Außerdem fügt er zerschlagenes Porzellan ein, also Scherben von Gefäßen, die er mit dem Hammer zertrümmerte. Einmal mehr arbeitet er wie bei seinen Glasuren mit dem (bewusst herbeigeführten) Fehler, ja der Katastrophe, als ästhetischer Komponente. Die teilweise komplizierten Volumen fügt Drexler dabei nach dem Glattbrand mit einem High-Tech-Kleber zusammen. Auch hier
also –  und einmal mehr –  schreckt der Porzellanenthusiast nicht vor einem Tabubruch zurück, wenn dieser seiner künstlerischen Aussage dient.
    Die „Weiße Oase“ verheißt also durchaus Aufregendes. Helmut Drexler und das Porzellanikon laden zum Genuss und zum Studium in diesen neu renovierten Ruheraum ein. Was den ästhetischen Durst so mancher Kunstfreundin, manches Porzellanfans und vieler Drexler-Kenner aufs Trefflichste stillen dürfte.


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